Ausbildungszuschuss für Unternehmen in Thüringen

Thüringer Unternehmen mit Auszubildenden, die aufgrund von coronabedingten Verordnungen von einer teilweisen oder vollständigen Schließung betroffen sind, können ab sofort einen „Ausbildungszuschuss“ beantragen. Mit dem „Ausbildungszuschuss“ können Betriebe 80 Prozent der Ausbildungsvergütung sowie eine Pauschale in Höhe von 20 Prozent für entrichtete Sozialversicherungsbeiträge erstattet bekommen, die sie an ihre Lehrlinge nach behördlich angeordneter Schließung gezahlt haben. Die Hilfe ist beschränkt auf den Zeitraum jener sechs Wochen nach Schließung, für die bei Auszubildenden – im Gegensatz zu regulären Beschäftigten – die Kurzarbeiterregelungen der Bundesagentur für Arbeit nicht greifen.

Das Thüringer Wirtschaftsministerium schließt damit eine Lücke im Unterstützungsangebot, die sonst zu erheblichen Einschnitten in der beruflichen Ausbildung hätte führen können. Der schriftliche Zuschussantrag muss bis spätestens 31.07.2020 per Post an die zuständige Industrie- und Handelskammer bzw. Handwerkskammer geschickt werden. Die Wirtschaftskammern weisen ausdrücklich darauf hin, dass per E-Mail übermittelte Anträge nicht bearbeitet werden.

Einen Überblick über weitere staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen, die von der COVID19-Pandemie wirtschaftlich betroffenen sind, gibt die Web-App wir-bleiben.liqui.de (Eine Entwicklung im Rahmen des #wirvsvirus Hackathon der Bundesregierung.) 

 

 

Bundesfinanzministerium stellt Entwurf von Corona-Steuerhilfegesetz vor

Die COVID-19-Pandemie stellt eine enorme Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft dar. In allen zentralen Bereichen hat die Politik in Deutschland dafür zielgerichtete Antworten gefunden. Dies gilt auch für die Steuerpolitik. Hiermit wird die Gefahr eines geringeren Wachstums angegangen. Eine nachhaltige Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung und die Sicherung von Beschäftigung sind dabei die zentralen Zielsetzungen.

Der am 30.04.2020 veröffentlichte Entwurf eines Corona-Steuerhilfegesetzes sieht unter anderem folgende Neuregelungen zur Bewältigung der COVID19-Wirtschaftskrise vor:

 

  • Absenkung des Umsatzsteuersatzes von 19 % auf 7 % für Restaurant- und Verpflegungsleistungen (ausgenommen Getränke) für den Zeitraum vom 01.07.2020 bis 30.06.2021
  • steuerfreie Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis zu 80 % des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt nach § 106 des Dritten Buches Sozialgesetzbuches
  • Verlängerung der steuerlichen Rückwirkungszeiträume gemäß Umwandlungssteuergesetz in 2020 von 8 Monaten auf 12 Monate

Den vollständigen Formulierungsvorschlag finden sie auf der Internetpräsenz des Bundesfinanzministeriums.

FiBu-Troniker – Upgrade, Update, Up-to-Date

Wie entwickelt sich die Arbeitswelt in den steuerberatenden Berufen? Die Digitalisierung ist gekommen um zu bleiben und lässt sich auch nicht mehr wegdiskutieren. Das Berufsbild des Steuerfachangestellten hat sich bereits über mehrere Jahre stark verändert und wird sich auch zukünftig analog der Anforderung unserer Gesellschaft weiter entwickeln.

In der Vergangenheit war beispielsweise der Bereich Finanzbuchhaltung (FiBu) durch das manuelle Erfassen der Belege unserer Mandanten geprägt, um diese Vorgänge steuerlich zu würdigen. Hier ist bereits eine deutliche Änderung der Arbeitsweise spürbar. Die Ansprüche an eine effiziente interne Organisation in den Unternehmen hat dazu geführt, dass auch Ablaufprozesse neu organisiert werden müssen. Heute sind oftmals eingehende Datenströme zu bearbeiten, um die steuerliche Würdigung zu ermöglichen.

Es ergibt sich somit ein neues Berufsbild, welches man als FiBu-Troniker bezeichnen könnte. Zukünftig werden sich immer mehr Steuerfachangestellte in diese Richtung bewegen müssen. In der derzeitigen Übergangsphase ist es noch ein spannendes Thema, wie die verscheiden Formen der Belegbearbeitung, sei es der historisch gewachsene Papierbeleg oder die Ausflüsse einer digitalen Büroorganisation elektronisch weiter be- und verarbeitet werden können.

Langfristig wird sich dieses Aufgabengebiet noch stärker ändern. Hier werden zukünftig nicht nur die eingehenden Informationen zunehmend digitalisiert, vielmehr besteht der Anspruch, die Auswertungen für Unternehmen, Finanzamt und Banken aussagekräftig und zeitgemäß aufzubereiten. Um diese Entwicklung aktiv und fachlich versiert vorantreiben zu können, haben sich zwei unserer Mitarbeiter, Carolin Radtke und Marco Blaurock, für die Weiterbildung zum zertifizierten FiBu-Troniker entschieden. Sie wurden durch uns zu einem entsprechenden Qualifizierungslehrgang der Steuerakademie Thüringen entsandt.

Im Rahmen dieser Qualifizierung wurden in 12 Modulen die relevanten Bereiche behandelt, die das Thema „Digitalisierung“ mit sich bringt. Neben den hard- und softwarebasierten Grundlagen der IT wurden verschiedene marktübliche Programme vorgestellt, die branchenübergreifend in den Unternehmen zum Einsatz kommen. Ebenso erfolgte einer Vertiefung der Grundlagen von Excel zur Verarbeitung der Datensätze, Automatisierung der Daten durch Formeln und Funktionen.

Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten der Visualisierung und der mandantenbezogenen, individualisierten Auswertung. Die Weiterverarbeitung und Kommunikation zwischen dem Mandanten, Berater und Dritten wird eine andere Qualität erreichen. Zum Beispiel bei der Kommunikation zwischen dem Unternehmen und der Bank, sodass z.B. offene Rechnungen automatisiert und digital bezahlt werden können. Der Steuerfachangestellte wird somit immer stärker zum Datenmanager, der die Qualität der eingehenden Daten überprüft und diese durch Automatismen effizienter be- und verarbeitet. Mitunter kann dies durch die Digitalisierung täglich erfolgen und zeitnahe aussagekräftige Auswertungen können unseren Mandanten bei der Entscheidungsfindung und Überwachung ihrer betrieblichen Abläufe unterstützen. Sie können dann jederzeit und überall auf der Welt auf Ihre Unternehmensdaten zugreifen. Dies sind nur einige der Neuerungen, die uns das digitale Zeitalter beschert. Wir stellen und dieser Herausforderung und freuen uns, gemeinsam mit Ihnen die nächste Stufe der Entwicklung zu gehen und Sie dabei zu beraten und zu unterstützen.

Coronavirus – Gesundheitsgefahr für die Wirtschaft

Wie kann der Fortbestand meines Unternehmens dauerhaft gesichert werden?

Deutschland steckt in einer tiefen Krise. Die Ausbreitung des Corona-Virus stellt unser Wirtschaftssystem vor Herausforderungen, die es in dieser Form wahrscheinlich noch nie gab. Unternehmer aller Branchen sehen die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge und fragen sich, ob ihr Unternehmen in der sich ankündigenden Rezession überleben kann.

Der Staat hat schnell reagiert und eine Vielzahl von Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Diese Hilfsmaßnahmen, so richtig und wichtig sie auch sind, werden die Überlebensfähigkeit in den meisten Fällen jedoch nicht nachhaltig sichern. Die staatlichen Zuschüsse kompensieren vielfach nicht die tatsächlich entstandenen Schäden. Die Hilfskredite führen langfristig zu einer Abhängigkeit von Fremdkapital und zu einer gesteigerten Schuldenlast, welche die Liquiditätslage und die Eigenkapitalrentabilität über Jahre belasten. Zudem helfen die staatlichen Hilfen nicht, wenn zukünftig Geschäftsfelder wegbrechen und Umsätze ausbleiben.

Auch wenn es auf den ersten Blick abwegig erscheint, empfiehlt es sich, die Sanierungsinstrumente der Insolvenzordnung zu prüfen, insbesondere die Sanierungsinstrumente eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung, dessen Ziel die Unternehmenssanierung ist. Diese Sanierungsmittel sind beträchtlich und erleichtern eine Restrukturierung enorm. So kann mit Hilfe einer Eigenverwaltung beispielsweise die Schuldenlast spürbar reduziert werden. Binnen kürzester Zeit ist ein Schuldenschnitt („haircut“) möglich. Auch besteht die Möglichkeit, sich kurzfristig von unwirtschaftlichen und anderweitig nicht bzw. schwer kündbaren Dauerschuldverhältnissen (Miet-, Pacht-, Leasing- oder Finanzierungsverträge) zu trennen. Dies ist in der Sanierungspraxis eine bedeutende Stellschraube zur effektiven Umsetzung operativer Neuausrichtungen, welche aus der Krise führen können. Ferner steht im eigenverwalteten Insolvenzverfahren das Insolvenzgeld uneingeschränkt zur Verfügung. Hierdurch erhalten einerseits die Arbeitnehmer von der Bundesagentur für Arbeit ihr volles Nettoentgelt und nicht lediglich das der Höhe nach begrenzte Kurzarbeitergeld (KUG). Andererseits kann so zusätzliche Liquidität für den Sanierungsprozess geschaffen werden, weil dafür maximal3 Monate keine Lohnkosten anfallen. Letztlich ist beispielhaft zu erwähnen, dass unter Insolvenzschutz Personalanpassungsmaßnahmen, so sie denn für die Krisenbewältigung unumgänglich werden, unter erleichterten Bedingungen möglich sind. So gilt insbesondere eine 3-monatige Höchstkündigungsfrist für arbeitgeberseitige Kündigungen. Bei sozialplanpflichtigen Personalanpassungsmaßnahmen ist zudem das Sozialplanvolumen auf zweieinhalb Monatsgehälter der von der Entlassung betroffenen Arbeitnehmer gedeckelt.

Der für den Unternehmer entscheidende Vorteil des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist jedoch, dass er Herr des Restrukturierungsprozesses bleibt. Er behält die Kontrolle und entscheidet, welche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Es gibt keinen Insolvenzverwalter, der seine Sicht der Dinge aufzwingt. Bestellt wird stattdessen ein Sachwalter, welcher jedoch eine deutlich schwächere Rechtsposition hat. Der Sachwalter ist lediglich verlängertes Kontrollorgan des Insolvenzgerichts. Seine Befugnis erstreckt sich im Wesentlichen auf die Prüfung, ob die Eigenverwaltung zu Nachteilen für die Gläubigergemeinschaft führt. Dadurch, dass es keinen Insolvenzverwalter gibt, bleiben insbesondere auch die Netzwerke des Unternehmers und Kommunikationsstrukturen zu den Kunden und Geschäftspartnern uneingeschränkt für den Sanierungsprozess erhalten. Auch dies ist ein entscheidender Vorteil, da ein Sanierungsprozess regelmäßig nur im engen Dialog mit diesen Beteiligten erfolgreich umgesetzt werden kann.

Auch wenn es verständlicherweise Berührungsängste mit einer Sanierung unter Insolvenzschutz gibt, kann jedem Unternehmer nur ans Herz gelegt werden, diese Option ernsthaft zu prüfen. Grund ist, dass sie weitreichende und effektive Sanierungsinstrumente zur Verfügung stellt, ohne dass ein Kontrollverlust zu fürchten ist. Denkverbote sind gerade in einer akuten Krisensituation nicht förderlich. Schließlich sind es oftmals unkonventionelle Lösungen, die es ermöglichen, gestärkt aus einer Krise hervorzugehen und sich nachhaltig gegen Mitbewerber durchzusetzen.

Dieser Beitrag wurde uns freundlicher Weise von Marko Harraß zur Verfügung gestellt. Der Autor ist Rechtsanwalt und zugleich Fachanwalt für Insolvenzrecht sowie für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Dr. Habel & Coll. in Erfurt. Er ist schwerpunktmäßig als Sanierungsberater und Insolvenzverwalter tätig.

Wann entsteht für einen Arbeitnehmer ein Phantomlohn?

Bei dem Phantomlohn handelt es sich um einen Lohn oder häufiger Lohnbestandteile, die nicht ausgezahlt worden sind, obwohl der Arbeitnehmer darauf einen Rechtsanspruch hat.

Die Ursachen, aus denen dieser Lohnbestandteil entstehen kann, sind vielfältig,

  • so gilt in einem tarifgebundenen Unternehmen grundsätzlich der Tariflohn als vereinbarte Vergütung, wird ein geringerer Lohn gezahlt, ist die Differenz der Phantomlohn;
  • ein tariflich geschuldeter Mindestlohn hat Vorrang vor dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn;
  • werden Überstunden zwar geleistet, aber nicht vergütet oder verrechnet, liegt in der Differenz ein Phantomlohn vor.

Ganz allgemein gilt, dass die Differenz zwischen dem Anspruch auf Lohn oder Gehalt und dem tatsächlich gezahlten Bruttolohn ein „Phantomlohn“ ist. Für die Lohn- und Gehaltsabrechnung ist auch dieser Phantomlohn in die Abrechnung mit einzubeziehen und es müssen dafür auch die entsprechend höheren Sozialversicherungsbeiträge angemeldet und abgeführt werden.

Eine Besonderheit besteht in diesem Zusammenhang bei den Minijobbern, die ohne Festlegung einer konkreten wöchentlichen Arbeitszeit „auf Abruf tätig“ tätig werden. Für sie gilt ab dem 1. Januar 2019 eine fiktive Arbeitszeit von 20 Wochenarbeitsstunden. Selbst, wenn für diese Arbeitnehmer nur der Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro/Std. angesetzt wird, übersteigt der Monatslohn die Grenze von 450 Euro: Es liegt dann Beitragspflicht in allen Bereichen der Sozialversicherung vor. Das gilt selbst dann, wenn der Minijobber im Abrechnungszeitraum überhaupt nicht oder deutlich weniger tatsächlich gearbeitet hat.

Diese Regelungen gelten für laufenden Arbeitslohn, nicht für Einmalbezüge wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. In diesen Fällen werden nur die tatsächlich geleisteten Beträge Grundlage für die Abrechnung. Die Abführung der Beiträge muss vom Arbeitgeber sowohl für den Arbeitnehmer – als auch für den Arbeitgeberanteil erfolgen.

Die Nichtabführung der Beiträge unterliegt gem. § 266a Abs. 1 und 2 StGB dem Strafrecht. Der Strafrahmen dafür beträgt Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder eine Geldstrafe. Strafbar ist bereits die schlichte Nichtzahlung, ohne weitere Verschleierungshandlungen.

Da für den Arbeitnehmer die Steuerpflicht für Vergütungen erst bei der tatsächlichen Zahlung entsteht, kann der Phantomlohn nicht zu Verpflichtungen führen. Das gilt auch für den Arbeitgeber, der die Lohnsteuer abzuführen hat.

Schnelle Hilfe durch Kurzarbeitergeld in der COVID19-Wirtschaftskrise

Um den mit der Ausbreitung des Corona-Virus verbundenen Herausforderungen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wirksam entgegenzutreten, hat die Bundesregierung am 10. März 2020 den Entwurf eines Gesetzes zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz) beschlossen.

Der Gesetzentwurf wurde schon am 13. März verabschiedet und vom Bundespräsidenten unterzeichnet.

Konkret sieht das neue Gesetz folgende Maßnahmen vor:

  • Wenn auf Grund schwieriger wirtschaftlicher Entwicklungen Aufträge ausbleiben, kann ein Betrieb Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein könnten. Diese Schwelle lag bisher bei 30 Prozent der Belegschaft.
  • Auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden vor Zahlung des Kurzarbeitergeldes soll vollständig oder teilweise verzichtet werden können. Das geltende Recht verlangt, dass in Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, diese auch zur Vermeidung von Kurzarbeit eingesetzt und ins Minus gefahren werden.
  • Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können künftig Kurzarbeitergeld beziehen.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber normalerweise für ihre Beschäftigten zahlen müssen, soll die Bundesagentur für Arbeit künftig vollständig erstatten. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, Zeiten der Kurzarbeit stärker für die Weiterbildung der Beschäftigten zu nutzen.

Hinweis:
Wir haben unsere Kolleginnen aus dem Team Lohn-/Gehaltsbuchhaltung kurzfristig fortgebildet, damit wir Sie bei Fragen rund um das Thema Kurzarbeitergeld bestmöglich informieren können. Kontaktieren Sie uns gern unter lohn@ruschel-collegen.de oder telefonisch unter 0361 – 340 660.

Fristverlängerung für Lohnsteueranmeldungen während der COVID19-Pandemie

In weiten Teilen des Bundesgebietes sind Arbeitgeber durch das Coronavirus unverschuldet daran gehindert, die monatlichen oder vierteljährlichen Lohnsteuer-Anmeldungen fristgerecht abzugeben. Das Bundesfinanzministerium hat deshalb am 23.04.2020 im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder folgende Ausnahmeregelung bestimmt:

Arbeitgebern können die Fristen zur Abgabe monatlicher oder vierteljährlicher Lohnsteuer-Anmeldungen während der Corona-Krise im Einzelfall auf Antrag nach § 109 Absatz 1 AO verlängert werden, soweit sie selbst oder der mit der Lohnbuchhaltung und Lohnsteuer-Anmeldung Beauftragte nachweislich unverschuldet daran gehindert sind, die Lohnsteuer-Anmeldungen pünktlich zu übermitteln. Die Fristverlängerung darf maximal 2 Monate betragen.

Ordnungsgeldverfahren bei verspäteter Offenlegung vorübergehend ausgesetzt

Das Bundesamt für Justiz hat mitgeteilt, dass der Erlass von Androhungs- und Ordnungsgeldverfügungen derzeit ausgesetzt wird. Die gesetzliche Offenlegungspflicht nach § 325 HGB besteht dennoch fort.

Die gesetzliche Jahresfrist für die Einreichung des Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2018 endete im Fall eines kalendergleichen Geschäftsjahres am 31. Dezember 2019. Die mit einer Androhungsverfügung gesetzte sechswöchige Nachfrist zur Offenlegung ab Zustellung der Verfügung ist nicht verlängerbar. Um den besonderen Belastungen, denen die Unternehmen in der COVID-19-Wirtschaftskrise ausgesetzt sind, Rechnung zu tragen, gewährt das Bundesamt für Justiz allerdings allen Unternehmen, die eine Androhungsverfügung mit dem Ausstellungdatum zwischen dem 6. Februar 2020 und dem 20. März 2020 erhalten haben, von Amts wegen – d. h. ohne gesonderten Antrag – Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen entschuldigter Offenlegungssäumnis.

Voraussetzung hierfür ist, dass die versäumte Offenlegung der Rechnungslegungsunterlagen innerhalb von sechs Wochen ab dem 1. Mai 2020, also bis spätestens zum 12. Juni 2020, nachgeholt wird. Erfolgt die Offenlegung bis zum 12. Juni 2020, wird das zuvor angedrohte Ordnungsgeld nicht festgesetzt. Dies gilt auch für Unternehmen, die im Zeitraum zwischen dem 6. Februar 2020 und dem 20. März 2020 eine weitere Androhung für die Offenlegung der Rechnungslegungsunterlagen für frühere Geschäftsjahre erhalten haben, die mit einer Festsetzung von Ordnungsgeld verbunden ist. Ein gesonderter Antrag muss auch hier nicht gestellt werden.

Die vollständigen BfJ-Medieninformationen zu Erleichterungen für Unternehmen im Rahmen der Corona-Krise haben wir im Infocenter auf unserer Homepage bereitgestellt.

Solidarität in der Corona-Krise wird steuerlich unterstützt

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die aufgrund der COVID19-Krise verordneten Einschränkungen sind eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Unternehmen engagieren sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die Eindämmung der Ausbreitung der Pandemie und für diejenigen, für die die Erledigungen des Alltags plötzlich mit zuvor nie dagewesenen Gefährdungen verbunden sind. Zur Förderung und Unterstützung dieses gesamtgesellschaftlichen Engagements bei der Hilfe der von der Corona-Krise Betroffenen wurden im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder besondere Verwaltungsregelungen getroffen.

Darunter fallen beispielsweise:

  • vereinfachter Zuwendungsnachweis ohne betragsmäßige Beschränkung für Spenden auf Sonderkonten für o.g. Zwecke
  • Spendenaktionen von steuerbegünstigten Körperschaften zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene; unabhängig vom satzungsmäßigen Förderzweck (z.B. Sportvereine, Musikvereine, Kleingartenvereine etc.)
  • Betriebsausgabenabzug für Sponsoring-Maßnahmen für o.g. Zwecke
  • steuerfreie Arbeitslohnspende und Spende von Aufsichtsratsvergütungen für o.g. Zwecke

Das ausführliche BMF-Schreiben mit allen Verwaltungsregelungen haben wir im Downloadbereich auf unserer Internetpräsenz bereitgestellt.

 

Unterstützung für Beschäftigte und Studierende in der COVID19-Wirtschaftskrise

Das Bundesministerium der Finanzen hat mitgeteilt , dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Beschäftigten nun Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei auszahlen oder als Sachleistungen gewähren können. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020 erhalten.

Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Die steuerfreien Leistungen sind im Lohnkonto aufzuzeichnen. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen bleiben hiervon unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben auch in der Sozialversicherung beitragsfrei. Mit der Steuer- und Beitragsfreiheit der Sonderzahlungen wird die besondere und unverzichtbare Leistung der Beschäftigten in der Corona-Krise anerkannt.

[Update: 09.04.2020] Inzwischen wurde die Rechtsgrundlage für die genannte Steuerbefreiung in einem BMF-Schreiben veröffentlicht.

Leider haben auch viele Studierende aufgrund der COVID-19-Pandemie ihre Nebenjobs verloren und sind unverschuldet in Not geraten. Thüringen hat deshalb als erstes Bundesland aus dem Haushaltsbudget 500.000 Euro bereitgestellt. Das Studierendenwerk kann daraus im Rahmen der „Richtlinie für die Vergabe sozialer Leistungen“ auf Antrag zinslose Sozialdarlehen in Höhe von maximal 800 Euro an bedürftige Studierende vergeben. Das Darlehen kann innerhalb eines Jahres in Raten zurückgezahlt werden. Anträge auf das Sozialdarlehen können ab sofort formlos mit einer Anfrage an asb@stw-thueringen.de gestellt werden.