Bilanz der Thüringer Finanzämter 2020

Einmal jährlich veröffentlich das Thüringer Finanzministerium die Bilanz der Finanzämter zum Steueraufkommen, zur Steuerveranlagung und zu Betriebsprüfungen im Freistaat. In Auszügen geben wir die diesjährige Bilanz hier wieder und gewähren einen interessanten Blick in die Thüringer Finanzverwaltung:

Die Thüringer Finanzämter nahmen im Kalenderjahr 2020 insgesamt Steuern in Höhe von 7.397.883.822,53 Euro ein, was einem Rückgang zum Vorjahr um 3,48 Prozent bzw. 266.723.006,56 Euro entspricht. Der Rückgang ist auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Zur Höhe des Gesamtsteueraufkommens tragen die Lohn- und die Umsatzsteuer überproportional bei. Allein die Lohnsteuer, ohne die Einkommensteuer, besitzt mit 44,7 Prozent den größten Anteil an den Steuereinnahmen des Freistaats. Das Aufkommen der Lohnsteuer belief sich im Jahr 2020 auf 3.311.896.115,80 Euro. Das Lohnsteueraufkommen unterliegt bestimmten Schwankungen im Laufe eines Kalenderjahres. In der Regel sind die Lohnsteuereinnahmen im Dezember und Januar eines Jahres erhöht, da sich in diesen Monaten die Zahlung von Weihnachtsgeld und weiteren Gratifikationen niederschlägt.

Die Umsatzsteuer, umgangssprachlich auch Mehrwertsteuer genannt, wird auf den Verbrauch von Waren und Dienstleistungen erhoben und ist für 30,7 Prozent der Thüringer Steuereinnahmen verantwortlich. Das Umsatzsteueraufkommen belief sich im Jahr 2020 auf 2.271.251.382,71 Euro. Im Vorjahr wurden noch 2.456.203.182,65 Euro vereinnahmt.

Der Rückgang der Umsatzsteuereinnahmen ist auf die Corona-Pandemie und die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen und Milderung wirtschaftlicher Folgen zurückzuführen. Sowohl die vorübergehende Schließung vieler Geschäfte als auch die Absenkung der Umsatzsteuer von 19 Prozent auf 16 Prozent bzw. von 7 Prozent auf 5 Prozent in der zweiten Jahreshälfte belastete das Umsatzsteueraufkommen.

Die Corona-Pandemie hatte in 2020 auch gravierende Auswirkungen auf die Betriebsprüfung. Außenprüfungen konnten zwar weiterhin angeordnet werden und fanden, soweit erforderlich, in angepasster Art und Weise statt. Die Finanzämter waren im Vorfeld jedoch angehalten die aktuelle Situation und die Belange der zu prüfenden Unternehmen sowie gesundheitliche Aspekte angemessen zu berücksichtigen. Bei den stark von der Corona-Krise betroffenen Branchen konnten daher kaum Prüfungen durchgeführt werden. Ebenfalls verzögerte sich die Prüfungstätigkeit über das gesamte Jahr, da Prüfungshandlungen im Unternehmen teilweise nicht oder nur stark eingeschränkt möglich waren. Die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen machten sich damit deutlich bei der Anzahl der Prüfungsabschlüsse bemerkbar.

Im Rahmen der Hauptbetriebsprüfung wurden im vergangenen Jahr 1.436 Betriebe geprüft. Die Amtsbetriebsprüfung, zuständig für Klein- und Kleinstbetriebe in den Rechtsformen Einzelunternehmen und Personengesellschaft, prüfte weitere 959 Betriebe.

Je eingesetztem Prüfer bzw. Prüferin wurden in der Hauptbetriebsprüfung im Jahr 2020 steuerliche Mehrergebnisse von 388.325 Euro erzielt. Ein in der Amtsbetriebsprüfung eingesetzter Prüfer sorgte durchschnittlich für Mehrergebnisse von 220.953 Euro. Die ca. 300 Thüringer Betriebsprüfer und Betriebsprüferinnen erzielten somit im Jahr 2020 ein steuerliches Mehrergebnis von insgesamt rund 60 Millionen Euro (Vorjahr: 77 Millionen Euro).

Umsatzsteuerkuriositäten zur Weihnachtszeit

Im Vergleich zu vielen anderen Steuerarten ist die Umsatzsteuer gesetzlich gut strukturiert und bietet wenig Angriffsfläche für zweifelhafte Auslegungen des Rechts. Dennoch gibt es ein paar umsatzsteuerliche „Stilblüten“ die Laien und Experten gleichermaßen zum Schmunzeln anregen. Wir finden: Gerade nach einem, auch in (umsatz-)steuerlicher Sicht, turbulenten Jahr 2020 darf man am Ende trotzdem etwas humorvoll zurückblicken.

Ein sehr plastisches Beispiel bietet gerade zur Weihnachtszeit der Verkauf von Weihnachtsbäumen. Ist dieser künstlich hergestellt, wird die volle Umsatzsteuer fällig. In diesem Jahr 16 statt 19 Prozent. Soweit so einfach. Beim natürlich gezogenen Weihnachtsbaum kommt es hingegen auf den Verkäufer an. Handelt es sich um einen normalen Gewerbetreibenden, unterliegt der Verkauf grundsätzlich dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent (bzw. in diesem Jahr 5 Prozent).

Ist hingegen ein Landwirt der Verkäufer, kommt es darauf an, ob dieser Durchschnittsbesteuerer gemäß § 24 UStG ist: Falls nein, beträgt die Umsatzsteuer ebenfalls 7 Prozent (5 Prozent) wie beim Gewerbetreibenden; falls ja (Pauschalierer nach § 24 UStG), kommt es dann darauf an, ob der Weihnachtsbaum aus einer Sonderkultur stammt (10,7 Prozent Umsatzsteuer gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG) oder im normalen Forstbetrieb gewachsen ist (5,5 Prozent Umsatzsteuer gemäß § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG). Also: Augen auf beim Weihnachtsbaumkauf!

Auch in der Weihnachtsbäckerei gibt es umsatzsteuerliche Unterschiede zu beachten. Die meisten Backzutaten von Mehl über Zucker und Kakao bis zu Butter oder Margarine unterliegen bekanntermaßen dem ermäßigten Steuersatz. Das gilt ebenso für Milch, jedoch nicht für Milchmischprodukte mit einem Milchanteil von weniger als 75 %. Und auch wenn ein Ei umgangssprachlich dem anderen gleicht, kommt es im Umsatzsteuerrecht auch auf den Inhalt an. Denn nur genießbares Eigelb wird steuerbegünstigt, während ungenießbares Eigelb dem vollen Steuersatz unterliegt.

Apropos Naturprodukte: Oft kann ein Schnitt schon den Unterschied machen. Denn auch Schnittblumen unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz. Und schließlich muss auch beim Wasser differenziert werden. Wasser aus der Leitung unterliegt nämlich dem ermäßigten Umsatzsteuersatz. Wird das gleiche Wasser jedoch in Flaschen abgefüllt, verdampft und als Wasserdampf geliefert oder handelt es sich gar um Heilwasser, unterliegt es dem Regelsteuersatz.

Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Mandanten

Bitte Mund-Nasen-Schutz benutzen!
Bild: Julien Tromeur by pixabay.com

Nachdem es im Sommer kurzzeitige Anzeichen einer Entspannung bei SARS-CoV2-Neuinfektionen gab, steigen die Infektionszahlen aktuell wieder sehr stark an. Zum Schutz unserer Mitarbeiter und Mandanten haben wir deshalb bei Ruschel & Collegen unser bestehendes Hygiene-Konzept erweitert und bitten um entsprechende Beachtung:

Der Kontakt zwischen unseren Mitarbeitern und Mandanten soll grundsätzlich nur noch telefonisch oder auf elektronischem Weg (per E-Mail, Online-Kontaktformular oder Datev-Portal „Unternehmen online“) erfolgen. Persönliche Termine möchten wir auf ein Mindestmaß beschränken. Da wir bereits mehrfach praktische Erfahrungen mit Telefonkonferenzen und Online-Besprechungen gesammelt haben, bieten wir diese Kommunikationswege auch im Mandantenverkehr an.

Für die persönlichen Übergabe von Unterlagen nutzen Sie bitte unsere Boxen in den Empfangsbereichen der Kanzleiräume oder alternativ den Aktenbriefkasten am Büro Goethestraße 22 (Parkplatzseite). Sollten dringende Gründe für ein persönliches Beratungsgespräch im Steuerbüro bestehen, bitten wir unsere Mandanten, einen Mund-Nase-Schutz in den öffentlichen Bereichen zu tragen und das Abstandsgebot zu berücksichtigen. Beim Betreten und Verlassen unserer Büroräume benutzen Sie bitte die bereitgestellten Desinfektionsspender. Wir danken für Ihre Unterstützung

RUN 2020 – Sicherheit geht vor

Der ursprünglich für diesen Monat geplante Unternehmenslauf RUN 2020 musste, wie so viele andere Großveranstaltungen, coronabedingt abgesagt werden. Die Veranstalter haben nun ein geändertes Konzept entwickelt, welches den Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln besser Rechnung tragen soll. Unter anderem soll der Lauf aus der Erfurter Innenstadt in das Stadion und den angrenzenden Park verlagert werden. Als Ersatztermin ist der 16. September vorgesehen.

Auch unsere BSG Bleistift respektiert die geänderten Rahmenbedingungen. Sofern der Lauf tatsächlich am 16.09.2020 stattfindet kann, wird eine stark verkleinerte Mannschaft für Ruschel & Collegen an den Start gehen.

Denn bei allem Spaß am Sport: Sicherheit geht vor!

Glückwünsche zur bestandenen Abschlussprüfung

Unter erschwerten Rahmenbedingungen stellten sich unsere Auszubildenden in diesem Jahr der Prüfungskommission der Steuerberaterkammer Thüringen. Denn auch der Berufsschulunterricht konnte in den vergangenen Wochen nur eingeschränkt stattfinden. Umso erfreulicher ist es, dass wir an unseren beiden Standorten in Erfurt und Stadtilm jeweils zwei Auszubildenden zur bestandenen Prüfung gratulieren konnten.

In der Niederlassung Stadtilm nahmen Meike Garbrecht und Laura Münchhof die Glückwünsche von Geschäftsführerin Ivonne Dittmar entgegen. Am Hauptsitz des Unternehmens in Erfurt wurden Olga König und Marcel Schröder von Geschäftsführerin Ilona Ruschel und Prokuristin Steffi Lorenz beglückwünscht. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren frischgebackenen Kolleginnen und Kollegen und wünschen ihnen für die berufliche Zukunft alles Gute!

Online-Fortbildung für unsere Mitarbeiter

Bereits seit vielen Jahren greifen wir bei Ruschel & Collegen für fachliche Fortbildungen gern auf das Seminarangebot der Steuerakademie Thüringen zurück. Eine qualitativ hochwertige Fortbildung ist in der Steuerberatungsbranche eine notwendige Voraussetzung für eine optimale Mandantenbetreuung.

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mussten jedoch in den letzten Monaten viele geplante Präsenzfortbildungen abgesagt werden. Doch sehr schnell haben viele Anbieter von Fortbildungen, so auch die Steuerakademie, sogenannte Webinare konzeptionell umgesetzt und angeboten. Damit konnten auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer auf den aktuellen Stand gebracht werden. Die Menge an neuen Gesetzen, Verordnungen oder BMF-Schreiben der letzten Wochen hat gezeigt, wie wichtig eine qualifizierte Fortbildung ist.

Fristverlängerung für Lohnsteueranmeldungen während der COVID19-Pandemie

In weiten Teilen des Bundesgebietes sind Arbeitgeber durch das Coronavirus unverschuldet daran gehindert, die monatlichen oder vierteljährlichen Lohnsteuer-Anmeldungen fristgerecht abzugeben. Das Bundesfinanzministerium hat deshalb am 23.04.2020 im Einvernehmen mit den obersten Finanzbehörden der Länder folgende Ausnahmeregelung bestimmt:

Arbeitgebern können die Fristen zur Abgabe monatlicher oder vierteljährlicher Lohnsteuer-Anmeldungen während der Corona-Krise im Einzelfall auf Antrag nach § 109 Absatz 1 AO verlängert werden, soweit sie selbst oder der mit der Lohnbuchhaltung und Lohnsteuer-Anmeldung Beauftragte nachweislich unverschuldet daran gehindert sind, die Lohnsteuer-Anmeldungen pünktlich zu übermitteln. Die Fristverlängerung darf maximal 2 Monate betragen.

Beratungszuschuss für vom Corona-Virus wirtschaftlich betroffene Unternehmen

Die Auswirkungen des Coronavirus haben Deutschland in einem Maß getroffen, auf das sich keiner vorbereiten konnte. Die wirtschaftlichen Folgen sind unter anderem Kurzarbeit, Ausfall von Arbeitskräften und Produktionen, Wegfall von Kunden, verkürzte Öffnungszeiten oder gar Schließungen von Unternehmen.

Diesen negativen Auswirkungen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie die Freien Berufe gilt es entgegenzutreten. Eine betriebswirtschaftliche Beratung kann hierzu vielfältig Hilfestellung geben: z.B. neue Geschäftsfelder suchen, Geschäftsprozesse umstellen/digitalisieren  oder aber auch die Liquidität im Unternehmen wiederherstellen.Da dabei schnell gehandelt werden muss, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die bestehende Rahmenrichtlinie zur Förderung unternehmerischen Know-hows um ein Modul für Corona betroffene KMU und Freiberufler zunächst bis 31. Dezember 2020 im Sinne eines Sofortprogramms ergänzt. Mit der Modifizierung leistet der Bund schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung bei der Inanspruchnahme einer Beratung.

Lassen sich in Thüringen betroffene Unternehmen von einem durch die RKW Thüringen akkreditierten Berater unterstützen, können sie einen 100%-Beratungszuschuss für bis zu 4 Tagwerke (max. 4.000 EUR) erhalten. Lediglich die Umsatzsteuer auf die Beratungsleistung ist vom Unternehmen selbst zu tragen.

Unsere Berater der Ruschel Audit & Consulting GmbH sind akkreditiert und unterstützen Sie gern bei dem Weg aus der COVID19-Wirtschaftskrise. Den Förderantrag haben wir im Downloadcenter auf unserer Homepage bereitgestellt.

 

Weitere steuerliche Entlastung für Unternehmen in Thüringen

Das Thüringer Finanzministerium hat mitgeteilt, dass die Abgabefrist für Steuererklärungen 2018 auf Antrag bis zum 31.05.2020 (auch nachträglich) verlängert wird, wenn die Steuerpflichtigen von einem Steuerberater vertreten werden. Die gesetzliche Abgabefrist für 2018er Steuererklärungen endete bereits am 29.02.2020. Aufgrund der besonderen Umstände durch die COVID-19 Pandemie soll eine Abgabe der Steuererklärungen 2018 bis zum 31.05.2020 nicht mit Verspätungszuschlägen sanktioniert werden.

Außerdem hat sich Thüringen dem Vorstoß mehrerer Bundesländer angeschlossen und erstattet auf Antrag die Umsatzsteuersondervorauszahlung 2020 für Unternehmen, die wirtschaftlich von der Corona-Krise betroffen sind. Die Umsatzsteuersondervorauszahlung beträgt 1/11 der Umsatzsteuer des Vorjahres und wird fällig, wenn man als „Monatszahler“ die sogenannte Dauerfristverlängerung  in Anspruch nehmen möchte.

Wenn von der Corona-Krise betroffene Unternehmen aus Liquiditätsgründen in diesem Jahr die Erstattung der Umsatzsteuersondervorauszahlung beantragen, bleiben gewährte Dauerfristverlängerungen grundsätzlich bestehen. Das Antragsformular haben wir in unserem Downloadbereich unter „Corona-Krise Sofortmaßnahmen“ bereitgestellt. Alternativ kann auch eine berichtigte Anmeldung der USt-Sondervorauszahlung per ELSTER-Verfahren erfolgen.

Thüringer Soforthilfe – Prozessoptimierung bei Antragstellung

Bereits in den ersten Tagen nach dem Start des Thüringer Soforthilfeprogramms sind mehrere Tausend Zuschussanträge bei der Thüringer Aufbaubank (TAB) eingegangen. Um die große Antragsflut bearbeiten zu können, unterstützen jetzt auch Mitarbeitende verschiedener Thüringer Ministerien die TAB bei der Antragsbearbeitung.

Aber auch die Antragsteller können schon etwas zur Prozessoptimierung beitragen: Die Antragstellung per E-Mail ist nur unter den Sonder-Mailadressen soforthilfe-corona@… der Thüringer Industrie- und Handelskammern bzw. Handwerkskammern möglich.
Alternativ kann der Antrag auch auf dem Postweg direkt an die Thüringer Aufbaubank oder die IHK/HWK versendet werden. Eine doppelte Antragsübermittlung per E-Mail und Post ist nicht erforderlich. Die genauen E-Mail-Adressen bzw. Postadressen finden Sie in den Antragshinweisen der TAB.

Die IHK Ostthüringen erklärt in einem kurzen Video, wie der Corona-Soforthilfeantrag richtig ausgefüllt wird.

Das Corona-Soforthilfeprogramm der Thüringer Landesregierung richtet sich ausschließlich an Unternehmen mit einer Betriebsstätte in Thüringen. Jedoch haben auch andere Bundesländer ähnliche Hilfsprogramme aufgelegt. Eine Übersicht der Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern hat der Bundesverband Öffentlicher Banken zusammengestellt.